Gedenkstätten – Der Friedhof


1. Allgemeines

1.1 Der heutige Friedhof

Aufgrund hygienischer Aspekte wurde um 1800 die Bestattung in Kirchenräumen und innerhalb der Siedlungen verboten. Der bisherige rund um die Kirche gelegen Friedhof wurde dementsprechend gesperrt und ab 1814 durch einen außerhalb der damaligen Stadtmauer gelegenen Friedhof ersetzt. Das heute noch vorhandene Eingangstor wurde in den frühen 1920er Jahren noch mit Jugendstilelementen erstellt, während die steinernen Torpfosten bereits Elemente des Art Déco aufweisen.

Das Areal lag seinerzeit inmitten von Pflanzgärten, die aufgrund der beengten Situation innerhalb des Mauerrings grundsätzlich außerhalb der Stadtmauern lagen. Der Kaufmann Wilhelm Dürkes stiftete nun seinen großen Pflanzgarten als Friedhofsgelände, im Gegenzug erhielt er ein Ehrengrab. Das Gelände wurde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach bis zur heutigen Größe erweitert, wobei die Grabstellen teilweise schon dreimal belegt wurden.

1910 wurde eine kleine Leichenhalle gebaut, die hauptsächlich den damals pferdebespannten Leichenwagen und Gerätschaften aufnahm. Die eigentlichen Bestattungen wurden von den Trauerhäusern aus mit einem Leichenzug bis zum Grab vorgenommen.

Die heutige Leichenhalle mit Raum für die Trauerfeier und Kühlkammern wurde 1973 errichtet und 2024 saniert.

2024 wurden auch die Wege des Friedhofs verbreitert und befestigt, sowie Grabfelder für Baumbestattungen bzw. Rasengräber angelegt.



1.2. alte Friedhöfe und Kirchhof

Seit der Christianisierung in der Frankenzeit wurden Friedhöfe rund um die Kirchen angelegt. Solche Grabfelder ließen sich auch an Vorgängerbauten der örtlichen Kirche (Obermarkt bzw. Mainzer Straße) nachweisen.

Pfarrer und Adlige hatten das Vorrecht, in der Kirche in Grüften oder unter den Bodenplatten beigesetzt zu werden, wovon noch einige wenige Gedenkplatten im Innern der Kirche künden. Für die übrige Bevölkerung waren Grabstellen an oder auch in der Nähe der Kirchenmauern sehr beliebt und entsprechend teuer, zwei mittelalterliche Epitaphe sind noch außen am Chor der Kirche zu sehen:

An der Eingangsseite ist noch das Epitaph des Gerhard Vetzer von 1392 erhalten, das den genannten in betender Haltung zeigt, umrahmt von Inschriften und Wappen, die einst farbig gefasst waren.

Auf der Rückseite des Chores befindet sich das Epitaph des Burghauptmanns Siegfried von Oberstein von 1413, welches in der Zeit des Bildersturms enthauptet wurde und stark verwittert ist.

In Zeiten von Seuchen und Epidemien, wie z.B. beim Auftreten der Pest legte man temporär auch Massengräber außerhalb der Siedlungen an. Spätestens in napoleonischer Zeit (um 1800) sollten die innerörtlichen Friedhöfe um die Kirchen nicht mehr belegt werden, stattdessen wurden – analog zu den jüdischen Friedhöfen seit dem Mittelalter – aus hygienischen Gründen neue Begräbnisplätze außerhalb der Siedlungen angelegt.

So wurde auch der bisherige Ortsfriedhof um die Kirche stillgelegt, die Beisetzungen fanden ab 1815 auf dem neuen Friedhof westlich der Kirche statt, wo dieser nach diversen Erweiterungen bis heute genutzt wird. Umbettungen wurden nicht vorgenommen, die Gräber verblieben am alten Ort. Im 19. Jahrhundert wurden die alten Gräber um die Kirche eingeebnet, Grabsteine und Einfassungen entfernt, da das Areal des Kirchplatzes jetzt teilweise für die Jahrmärkte genutzt wurde.

Einige wenige alte Grabsteine wurden auf dem neuen Friedhof für die Bestattung von Familienangehörigen mit neuer Beschriftung auf der bisherigen Rückseite weiterverwendet. Das einzige so erhaltene Exemplar von 1711 bzw. 1850 befindet sich unter den historischen Grabsteinen auf dem neuen Friedhof (6-3-01).

Vor dem Seitenportal des Langhauses befand sich ein Gedenkstein für 7 Männer, die am 17.2.1799 beim Einsturz des alten Kirchturms von 1344 in das Langhaus während des Gottesdienstes durch Trümmer erschlagen wurden. Dieser Stein wurde nach Auflösung des alten Friedhofs neben der Seitentür in die Wand eingelassen.



1.3 Heutige Bestattungsformen

2024 wurden im Rahmen einer groß angelegten Umgestaltung die Wege des Friedhofs verbreitert und befestigt, um sowohl Barrierefreiheit als auch die Zufahrt mit Fahrzeugen für Bestatter, Steinmetze und Gemeindebedienstete zu gewährleisten.

Während in unserer Region seit Jahrhunderten Erdgräber vorherrschten, trat in den vergangenen Jahren ein Umbruch ein. Aufgrund der gestiegenen Mobilität der Bevölkerung war das früher übliche mehrmals jährlich wechselnd bepflanzte Erdgrab immer seltener geworden. Mangels vor Ort wohnender Angehöriger aber auch mangels Friedhofgärtnereien wuchs die Nachfrage nach pflegeleichten Grabstellen. Zunächst deckte man Familiengräber mit Steinplatten ab, mittlerweile dominieren die Feuerbestattungen mit deutlich kleineren Urnengräbern.

In den letzten Jahren wurden dem generellen Trend folgend auch in Gau-Odernheim Grabfelder für Baumbestattungen bzw. Rasengräber angelegt, welche teils auch für anonyme Bestattungen genutzt werden.

(Text: Thomas Ehlenberger, Technik und Fotos: Udo Schleef)

 

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