


2. Ehrenfeld 1. Weltkrieg
2.1. Gedenkstein 1. Weltkrieg
Von 1914 bis 1918 standen hunderte Gau-Odernheimer Männer unter Waffen, an der Ostfront, in Belgien und Frankreich. Am Ende des Krieges waren 58 Gefallene bzw. Vermisste zu verzeichnen, weitere 10 starben in den folgenden Jahren an ihren Verwundungen. Dutzende Verwundete und Verstümmelte litten bis zu ihrem Lebensende an den erlittenen Verletzungen, fast alle Familien hatten Opfer zu beklagen. So wurde alsbald nach Kriegsende für ein angemessenes Denkmal gesammelt, welches aufgrund der großen Spendenbereitschaft bereits 1922 am heutigen Platz errichtet werden konnte.
2.2. Grabsteine 1. Weltkrieg
Einige Soldaten waren in Lazaretten oder in unmittelbarer Heimatnähe verstorben, manche erst nach 1918 an Kriegsfolgen. Diese wurden im Gräberfeld gegenüber des späteren Gedenksteins beigesetzt, die Gräber waren als Ehrengräber auf Dauer ausgelegt. Im Zuge der Umgestaltung des Friedhofs wurden deren Grabsteine rechts neben dem Gedenkstein im Halbkreis aufgestellt, das gesamte Areal gilt nun als Ehrenfeld für Gedenktage, wie Volkstrauertag und Totensonntag.
Die Grabsteine folgender Soldaten befinden sich hier :
Johann Greif
Platte, vormals in einem Familiengrabstein eingelassen mit graviertem eisernem Kreuz.
Er wohnte in der Badgasse 23, diente im Infanterieregiment IR 118 in Worms, erhielt am 16.3.1915 in Frankreich einen Kopfschuss, an dem er im Reservelazarett Siegburg am 28.5.1915 verstarb und in Gau-Odernheim beigesetzt wurde.
Joseph Ulbrich
Granitstein, Front poliert mit graviertem Lorbeer- und Eichenlaub und eisernem Kreuz.
Er wohnte als Faselwärter im gemeindeeigenen Wohnhaus am Faselstall in der Grabenstraße, als Reservist des IR 118 wurde er an der Westfront verwundet und starb im Reservelazarett Alzey.
Philipp Wilk
Sandstein mit Girlanden und stilisiertem eisernem Kreuz, eingesetzte Granitplatte.
Er wohnte in der Sackgasse 12, diente im 2.Nassauischen Infanterieregiment 88, kam schwer verletzt nach Kriegsende nach Hause, wo er 1919 starb und begraben wurde. Seine Mutter legte sich aus Gram im Winter auf das Grab ihres Sohnes und starb kurz darauf an Lungenentzündung.
Karl Kandel
Kunststein, profiliert, mit floralem Dekor und Schwert.
Er wohnte in der Wormser Straße 45, stammte aus Bechtolsheim und war Bahnsteigschaffner am hiesigen Bahnhof. Nach mehreren Verwundungen wurde er aus dem Lazarett Mainz nach Hause entlassen, wo er 1920 an Spätfolgen der Verwundungen starb.
Heinrich Christ
Kunststein, Portalstruktur mit Ornamentik und halbplastischem Stahlhelm.
Er war Sohn des Gastwirts Peter Christ in der Mainzer Straße 60. Er diente in der MG-Kompanie des IR 468. Während eines Genesungsaufenthalts im Lazarett Saarburg ertrank er beim Baden, wurde zunächst in Langenberg beigesetzt und später nach Gau-Odernheim überführt. Am Grabstein befindet sich eine Granittafel mit den Daten seines jüngeren Bruders Karl, dessen Urne im ursprünglichen Grab mit beigesetzt war.
Jakob und Willi Hinkel
Kunststein, Portalstruktur mit Girlanden, vollplastischem Stahlhelm und 2 emaillierten Portraits.
Er wohnte in der Mainzer Straße 21 und war wie sein Vater Eisenbahner, spielte abends im örtlichen Kino als Begleitung zu den Stummfilmen auf dem Klavier. Er diente beim Eisenbahnregiment 3, starb an Folgen einer Verwundung 1920 in Gau-Odernheim.
Sein älterer Bruder Willi wird ebenfalls mit Bild und Inschrift erwähnt. Er war Kellner, diente im Reserve-Infanterieregiment 81 und fiel im ersten Kriegswinter in den Argonnen.
Valentin Dexheimer
Kunststein, Portalstruktur mit geschweiftem Abschluss und vollplastischem Stahlhelm mit eisernem Kreuz.
Er wohnte in der Kirchgasse 2, wo er mit seiner Frau die Gastwirtschaft “Pfälzer Hof” betrieb. Er war 1903 bei der ersten Fastnacht im Ort der Prinz Carneval und wurde als Reservist mit über 40 Jahren zur Munitionskolonne 41 einberufen, in Frankreich schwer verwundet und starb in Gau-Odernheim 1917.
Peter Scherer
Stele aus schwarzem Granit, Front poliert mit Jugendstilornamenten.
Er war Landwirt und wohnte in der Mehlgasse 15. Als Reservist wurde er an der Westfront durch Granatsplitter verwundet und nach Hause entlassen, wo er Anfang 1919 an seinen Verwundungen starb.
Heinrich Müller
Stele aus schwarzem Granit, Front poliert mit graviertem Eisernem Kreuz.
Er war Landwirt und wohnte in der Mainzer Straße 61. Er diente im IR 221 und wurde an der Westfront verwundet. Er starb nach seiner Entlassung an seiner Verwundung zu Hause 1919.
Heinrich Becker
Sandstein mit Girlanden und stilisiertem eisernem Kreuz, eingesetzte Granitplatte.
Er war Lehrer und wohnte am Kirchplatz 4 bei seinem Vater, dem Schreiner Wilhelm Becker VIII. Er diente im IR 223 und wurde an der Westfront verwundet. Er starb 1917 im Lazarett in Mainz und wurde in Gau-Odernheim bestattet.
Johann Boos
Stele aus Sandstein, geschweifter Abschluss, Eisernes Kreuz und Stahlhelm als Halbrelief, eingesetzte Granitplatte.
Er war Landwirt und wohnte in der Alzeyer Straße 23. Er wurde mit über 40 Jahren als Reservist zur Train-Ersatzabteilung 18 nach Darmstadt einberufen. Er starb im Lazarett in Darmstatt.
Jakob Martenstein
Kunststein in Natursteinoptik, eingesetzte Granitplatte, darüber angesetztes Eisernes Kreuz aus Metall.
Er war Sohn des Schreiners Johann Martenstein und lebte in der Wormser Straße 42. Er war Leistungsturner beim Gau-Turnfest 1914, als durch das Mordattentat auf den österreichischen Thronfolger der 1.Weltkriegs ausgelöst wurde. Mit vielen seiner Turnkameraden wurde er kurz darauf zum IR 118 in Worms eingezogen. 1915 erlitt er in Russland einen Kopfschuss, an dessen Folgen er im Reservelazarett in Bingen verstarb.
Heinrich Pusch
Rechteckige Stele aus schwarzem Granit, Front poliert, angesetztes Eisernes Kreuz aus Metall, heute entwendet.
Er lebte in der Mainzer Straße 65 als Sohn des Kohlenhändlers Wilhelm Pusch, der auch die Gastwirtschaft zur Post betrieb. Eingezogen zum Feldartillerieregiment 7 wurde er nach schwerer Verwundung in die Heimat entlassen und starb an deren Folgen 1920.
2.3. Verlustlisten 1. Weltkrieg
In alphabetischer Sortierung der Nachnamen folgt nun die Auflistung der Gefallenen und Vermissten, wobei diese Daten in einigen Fällen nicht mit den Inschriften des Gedenksteins übereinstimmen. Manch eine Familie hat Vermisste erst später für tot erklären lassen, mancher Verwundete starb nach der Anbringung der Inschriften.
(Text: Thomas Ehlenberger, Technik und Fotos: Udo Schleef)
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